Martin Kesper

Autos, die die Welt nicht braucht

Autos, die die Welt nicht braucht

Hier sollte ein Foto des Inserats sein.

Letzte Woche bin ich in einer Illustrierten über eine Anzeige für ein neues SUV gestolpert. Das italienische Sportwagenhersteller so etwas bauen, ist ja an sich schon befremdlich. Aber in diesen Zeiten eine Anzeige für ein Auto mit solchen Eckdaten zu schalten, ist entweder unsensibel oder ignorant. Hier noch einmal das Kleingedruckte:

"Entdecken Sie den neuen […]. Der Stärkste […] mit 390 kW (530 PS) und 285 km/H Spitze.

[…] Verbrauch (WLTP) in l/100 km: kombiniert 11,2; innerstädtisch 17,4; Stadtrand 11,6; Landstraße 9,3; Autobahn 10,3; CO₁-Emissionen in g/km: kombiniert 254"

Ganz klar, kein Auto auf das die Welt gewartet hat. Nach meinem Dafürhalten eines, dass die Welt nicht braucht. Das ein Auto mit einem innerstädtischen Verbrauch von 17,9 Liter auf 100 Kilometer überhaupt eine Straßenzulassung bekommt und dann wahrscheinlich noch mit einer grünen Plakette herumfahren darf zeigt doch, dass hier die Zeichen der Zeit nicht erkannt wurden. Weder vom Autohersteller noch von der Politik. Da würden nun wahrscheinlich Fans der Marke mit dem Dreizack einwenden: "Auf der Autobahn verbraucht er doch nur 10,3 Liter auf 100 Kilometer und so ein Auto wird doch zum Reisen gekauft und wird also die meiste Zeit auf der Autobahn verbringen." Dagegen muss man bedenken, dass die Messung nach WLTP, die hier wohl der Autobahn gleichgesetzt wurde, wahrscheinlich dem Extra High Speed Zyklus mit einer Durchschnittsgeschwindingkeit von 94 km/h und einer Höchstgeschwindingkeit von 131 km/h entspricht. So wird ein Auto mit 530 PS und einer Höchstgeschwindigkeit von 285 km/h aber nicht auf deutschen Autobahnen gefahren. Allein der Luftwiderstand steigt im Quadrat zu Geschwindigkeit (doppelte Geschwindigkeit - vierfacher Luftwiderstand), so das der tatsächliche Verbrauch dieses Trümmerhaufens auf der Autobahn locker über 20 Liter auf 100 Kilometer liegen dürfte.

Nun halte ich es aber auch für Unsinn, solche Autos zu verbieten. Wer sich so einen Schwachsinn leisten will, meinetwegen soll er oder sie. Aber dafür soll er oder sie auch bluten. Man kommt mit 15 PS pro Sitzplatz auch überall hin. Alles was an Leistung darüber hinausgeht, sollte mit einer exponentiell steigenden Steuer belegt werden. Das Fahrvergnügen würde so auch der Allgemeinheit nützen. Leider ist so etwas mit Herrn Lindner im Finanzministerium und überhaupt mit einer Regierungsbeteiligung der FDP undenkbar. Genau wie das Tempolimit auf Autobahnen, dessen Sinn kaum noch jemand abstreitet. Scheiß Realpolitik.