Martin Kesper

Comfortably Numb

Comfortably Numb

Meine angeschlagene Gesundheit bringt es mit sich, dass ich mich häufig erschöpft fühle und Pausen brauche. Wenn mich dann noch gleichzeitig Kopfschmerzen plagen, dann führen alle Wege nur noch auf meine Couch vor den Fernseher. Und was sehe ich mir da an?

Beginnen wir mit dem Rückblick. Ich bin oder war ein Fan des Kinos seit den 80ern bis zum Beginn von Corona. Und so wundert es nicht, dass ich über eine kleine Sammlung von DVDs und Blu-rays verfüge. Dann kam Amazon prime, später Netflix. Aber wie schon bei der Einführung des Privatfernsehens musste ich feststellen, dass die Summe der gute Filme gleichbleibend ist. Nur sind sie immer schwieriger zu finden, weil sie sich auf mehr und mehr Kanäle verteilen. Im Resultat habe ich alle Streaming-Abonnements gekündigt. Hin und wieder finde ich etwas gutes in den Mediatheken des öffentlich-rechtlichen Fernsehens, wo es sich zwischen immer gleichen Krimis, standartisierten Liebesfilmen und Komödien, über die ich nicht lachen kann, versteckt. Und so habe ich angefangen mich auf Youtube umzusehen. Dort kann ich - wenn auch mit dem Anflug eines schlechten Gewissens - über die Missgeschicke anderer lachen. (Suchwort: fail) Aber ich bin auch auf Kanäle gestossen, die Spaziergänge im Regen zeigen. And welche auf denen alte Armbanduhren instand gesetzt werden. Videos ohne Handlung, ohne Spannung, die aber sehr beruhigend sind. Die mich meine Erschöpfung und Schmerzen für einen Moment vergessen lassen.

Wenn man sich ansieht, wie oft diese Videos schon angesehen wurden, scheinen auch andere darauf zu stehen. Ist das ein neuer Trend? Eine Gegenbewegung zum medialen Overkill?