Martin Kesper

Verbales

Autos, die die Welt nicht braucht

vom 30.08.2022

Letzte Woche bin ich in einer Illustrierten über eine Anzeige für ein neues SUV gestolpert. Das italienische Sportwagenhersteller so etwas bauen, ist ja an sich schon befremdlich. Aber in diesen Zeiten eine Anzeige für ein Auto mit solchen Eckdaten zu schalten, ist entweder unsensibel oder ignorant. Hier noch einmal das Kleingedruckte:

"Entdecken Sie den neuen […]. Der Stärkste […] mit 390 kW (530 PS) und 285 km/H Spitze.

[…] Verbrauch (WLTP) in l/100 km: kombiniert 11,2; innerstädtisch 17,4; Stadtrand 11,6; Landstraße 9,3; Autobahn 10,3; CO₁-Emissionen in g/km: kombiniert 254"

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Hier sollte ein Foto von der Anzeige sein.

Nützliche Ignoranz

vom 01.08.2022

Bevor ich in den Urlaub gefahren bin, habe ich mir einige Notizen gemacht. Da steht zum Beispiel: Es gibt Tage, an denen ich glaube, dass die Arschlochdichte in Deutschland gegen unendlich geht. Ganz offensichtlich war ich da urlaubsreif. Aber immerhin noch in der Lage meinen Eindruck auch reflektiert zu betrachten: Da man sich über Arschlöcher aufregt, bleiben sie einem länger im Gedächtnis haften. Womit meine erste Notiz eigentlich schon widerlegt ist. Der Prozentsatz an Arschlöchern steigt nicht, er ist im wesentlichen konstant. Da sie uns aber eher in Erinnerung haften bleiben als Otto Normalmitbürger, haben wir den Eindruck, dass es mehr von ihnen gibt, als tatsächlich da draußen herumlaufen.

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Alles anders und doch gleich

vom 18.04.2022

Ich starte den dritten Versuch einer Selbstständigkeit, wie auf der Webseite unschwer zu erkennen ist, als Medienkünstler und Kulturmanager. Wie ich darauf gekommen bin? Ich mache doch seit Jahren sowieso nichts anderes. Ich fabriziere Fotos, Videos und Texte aller Art. Nicht alles davon kann ich in Kategorien einordnen, aber es ist definitiv künstlerisches dabei. Und ich manage gemeinsam mit dem Team den Kunstverein Unna. Um darin noch besser zu werden, habe ich die Corona-Zeit für einen Fernkurs in Kulturmanagement genutzt. Ursprünglich wollte ich mich damit auf eine Anstellung bewerben, aber ich komme sowie so besser klar, wenn ich mir meine Zeit selbst einteilen kann.

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Die Qual nach der Wahl

vom 02.12.2021

Da ich in diesem Jahr bei den Grünen eingetreten bin, um unseren lokalen Kandidaten aus Unna zu unterstützen, habe ich jetzt die Qual nach der Wahl: Ich bin aufgerufen über den Koalitionsvertrag abzustimmen. Nicht das ich mich besonders in der Partei engagiere und ich beteilige mich auch nicht an den öden Diskussionen auf den innerparteilichen Plattformen. Aber an dieser Abstimmung wollte ich teilnehmen. Es blieb mir also nichts anderes übrig, als mich mit dem Koalitionsvertrag auseinanderzusetzen. Daher habe ich angefangen zu lesen. Und nicht lange durchgehalten. Der Vertrag ist einschläfernd und schrecklich vage, wobei der "idealerweise" auf 2030 vorgezogene Kohleausstieg (Seite 5) nur der Gipfel des Eisbergs ist.

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Blick zurück

vom 03.09.2021

Vor sechzehn Jahren wurde Frau Merkel Kanzlerin und somit Inhaberin der Richtlinienkompetenz deutscher Bundespolitik. Ich war damals First Officer - im Volksmund Co-Pilot - einer deutschen Fluglinie und habe Passagiere durch Europa geflogen. Der Verdienst war gut, selbst wenn ich Teilzeit arbeitete. Ich machte mich auf die Suche nach einer Immobilie, von der aus ich die Welt bereisen wollte. Der Klimawandel rückte in das Bewusstsein der Öffentlichkeit. Ich beruhigte mein Gewissen mit dem Gedanken, dass ich nur für den sicheren Transport der Passagiere sorgte, die für ihre Tickets bezahlt hatten und somit die Verantwortung für den Ausstoss von, ich weiß nicht wieviel, Tonnen Kohlendioxid trugen.

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Comfortably Numb

vom 19.06.2021

Meine angeschlagene Gesundheit bringt es mit sich, dass ich mich häufig erschöpft fühle und Pausen brauche. Wenn mich dann noch gleichzeitig Kopfschmerzen plagen, dann führen alle Wege nur noch auf meine Couch vor den Fernseher. Und was sehe ich mir da an?

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Mission Impossible?

vom 13.06.2021

In letzter Zeit habe ich oft darüber nachgedacht, wie ein Soziales Netzwerk beschaffen sein müsste, um das Adjektiv "sozial" auch wirklich zu verdienen. Über den Like-Button und Konsumismus habe ich mich hier schon ausgelassen. Das man zumindest Instagram jetzt so konfigurieren kann, dass Likes ignoriert werden, ist ein Fortschritt. Auf die unerwünschte Werbung könnte man verzichten, indem man das Netzwerk für die Nutzer kostenpflichtig macht. Die Bereitschaft dafür wäre laut einer aktuellen Umfrage vorhanden. Doch es bleibt immer noch mindestens ein Problem: Die Inhalte.

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I don't like the like button.

vom 19.05.2021

Irgendwo habe ich vor einer Weile gelesen, dass derzeit mehr Menschen bei Selfies sterben, als durch Haiangriffe. Konkrete Zahlen standen nicht dabei. Wieviele Menschen sterben pro Jahr durch Haiangriffe? Die Zahlen, die ich gefunden habe, schwanken zwischen 2 im Jahr 2019 und 13 im Jahr 2011. Und bei Selfies? Laut Google waren das zwischen Oktober 2011 und November 2017 alleine 259 Menschen, also im Durchschnitt 42 pro Jahr. Bezieht man das auf die Milliarden Nutzer von Sozialen Netzwerken, sind das aber immer noch wenig. Trotzdem fängt man an, sich zu fragen, was die Menschen dazu bringt, ihr Leben für ein Foto von sich selbst zu riskieren?.

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Wir werden brennen!

vom 15.04.2021

Insektensterben, Mikroplastik, Virusinfektionen, Künstliche Intelligenz und Klimawandel bedrohen die Menschheit. Letzterer scheint mir nach Corona aktuell die übelste Bedrohung zu sein. Demokratisch legitimierte Regierungen ergehen sich in Absichtserklärungen, um wieviel ihre Länder in den nächsten dreissig Jahren den Kohlendioxidausstoß reduzieren sollen, damit sie in ihren aktuellen Legislaturperioden keine streitbaren Maßnahmen ergreifen müssen und womöglich ihre Wiederwahl gefährden. Diktatoren tun auch nichts, denn sie verdienen an fossilen Brennstoffen meist mit.

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Inception

vom 10.04.2021

Mal abgesehen von Corona lassen sich die ernsthaften Probleme unserer Zeit wie zum Beispiel Mikroplastik und Klimawandel auf eine Ursache zurückführen: Konsumismus. Dessen wesentliche Triebfeder ist die Werbung. Per se ist Werbung nicht schlecht. Wenn wir auf unser Äußeres achten, so ist das Eigenwerbung. Ein Ritual, das mir zum Fortbestand der Menschheit notwendig erscheint. Und eine maßvolle Werbung für die Dinge des täglichen Bedarfs mag ebenfalls noch akzeptabel sein.

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Kino oder Fernseher

vom 04.06.2020

Gestern hat unser Kino wieder einen Film gezeigt. Zum ersten Mal seit dem Shut Down. Die Auflagen zur Eindämmung von Ansteckung sind enorm. Im ganzen Gebäude mit seinen sechs Sälen dürfen sich nur einhundert Menschen aufhalten. Ein wirtschaftlicher Betrieb des Kinos ist so nicht möglich. Aber sie machen wieder auf. Für einen Film, in zwei Sälen, zeitversetzt: "Pferde stehlen". Im Parkett von Kino 1 war ich allein.

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Die rote Pille

vom 29.11.2019

Sind Sie in den sozialen Netzwerken unterwegs? Nicht? Herzlichen Glückwunsch, Sie brauchen nicht weiterzulesen. Alle anderen sollten weiterlesen. Die aber werden diesen Text gar nicht finden, weil sie in Ihrer Filterblase so gefangen sind, dass sie ausserhalb davon nichts mehr wahrnehmen. Theoretisch dürfte also diesen Satz niemand mehr lesen. Egal ich erzähl einfach mal weiter. Ich habe vor ein paar Wochen angefangen meine Accounts in den sozialen Netzwerken zu löschen.

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